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Antrag auf Steuererlass oder Stundung

Bitten Sie das Finanzamt um Stundung oder Erlass von Steuern, wenn Sie sie gerade nicht zahlen können. Mit Begründung und Belegen.

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Finanzamt München Deroystraße 20 80335 München
Thomas Müller Schillerstraße 28 80336 München
München, 3. April 2026
Betreff : Antrag auf Erlass der Einkommensteuer, Steuerjahr 2025, Steuernummer 123/456/78901
Sehr geehrte Damen und Herren, ich beantrage nach § 227 der Abgabenordnung den Erlass von 1.800 € meiner Einkommensteuerschuld für das Steuerjahr 2025, die insgesamt 2.800 € beträgt. Seit März 2025 bin ich arbeitslos und beziehe Arbeitslosengeld I. Mein Einkommen hat sich erheblich verringert, sodass ich die volle Steuerschuld nicht begleichen kann. Anliegend übersende ich folgende Unterlagen: - Einkommensteuerbescheid 2025 - Bescheinigung der Agentur für Arbeit - Kontoauszüge der letzten 3 Monate Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen
Thomas Müller

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Steuerermäßigung beantragen: Erlass, Stundung und Billigkeitsmaßnahmen

Wer durch Jobverlust, Einkommenseinbruch, schwere Krankheit, Scheidung oder einen Todesfall in Not gerät, kann Steuerschulden nicht einfach liegen lassen. Das deutsche Finanzamt sowie die österreichische und schweizerische Steuerverwaltung können sie aber stunden, mindern oder ausnahmsweise erlassen. Das geschieht nur auf einen schriftlichen Antrag mit den passenden Belegen.

Die wichtigsten Instrumente in Deutschland

  • Stundung nach § 222 AO (Abgabenordnung): zinspflichtiger Aufschub der Zahlung, möglich bei erheblicher Härte und unterstellter Erlangbarkeit. Stundungszins beträgt 0,5 % pro Monat (§ 234 AO)
  • Vollstreckungsaufschub nach § 258 AO: vorübergehende Aussetzung der Vollstreckung, ohne die Steuerschuld zu reduzieren
  • Erlass aus Billigkeitsgründen nach § 227 AO: vollständiger oder teilweiser Erlass, wenn die Einziehung «nach Lage des einzelnen Falles unbillig» wäre — sachlich (etwa bei offenkundig unzutreffenden Steuerfestsetzungen mit Bestandskraft) oder persönlich (existenzgefährdende Härte)
  • Niederschlagung nach § 261 AO: rein verwaltungsinterner Akt, mit dem das Finanzamt vorübergehend auf die Beitreibung verzichtet, ohne die Forderung zu erlassen
  • Lohnsteuerermäßigung: Antrag auf Eintragung eines Freibetrags auf der elektronischen Lohnsteuerkarte (§ 39a EStG) — verringert nicht die Steuerschuld, sondern führt zu höherem Nettogehalt
  • Verzicht auf Säumniszuschläge nach § 240 AO und Erstattung verjährter Steuerschulden bei begründetem Antrag

Welche Steuern können erlassen werden?

Der Erlass nach § 227 AO ist für alle Steuern möglich — Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer (zuständig: Gemeinde), Grundsteuer (Gemeinde), Erbschaftsteuer, Kfz-Steuer (Hauptzollamt), Säumniszuschläge und Verspätungs­zuschläge. Bei Realsteuern ist der Antrag an die Gemeinde zu richten, bei den anderen an das zuständige Finanzamt.

Pflichtinhalt eines Antrags auf Steuerermäßigung

  1. Vor- und Nachname, Anschrift, Telefonnummer, E-Mail
  2. Steuernummer und Identifikationsnummer (IdNr.)
  3. Bezeichnung des Finanzamts oder der Gemeinde, bei der Steuer­schuld besteht
  4. Art und Höhe der betroffenen Steuerforderung (Steuerart, Veranlagungszeitraum, fällig zum)
  5. Begehrte Maßnahme: Stundung, Ratenzahlung, Erlass, Vollstreckungsaufschub
  6. Sachverhaltsdarstellung der wirtschaftlichen Notlage: chronologisch, faktenbasiert, mit konkreten Daten (Datum der Kündigung, Zeitraum der Krankschreibung, Höhe des Einkommensrückgangs)
  7. Aufstellung der monatlichen Einnahmen und Ausgaben (Vermögensverzeichnis nach § 284 AO als Anlage)
  8. Aufstellung des Vermögens: Sparguthaben, Wertpapiere, Immobilien, Fahrzeuge — und der Verbindlichkeiten
  9. Konkreter Lösungsvorschlag: Ratenzahlung X € pro Monat über Y Monate, oder Erlass von Z € mit Begründung
  10. Beigefügte Belege: Kündigungsschreiben, Lohnabrechnungen, Bescheid des Jobcenters, ärztliche Atteste, Mietvertrag, Bankauszüge der letzten drei Monate
  11. Datum, Ort und eigenhändige Unterschrift

Vorgehen Schritt für Schritt

  1. Reagieren Sie nicht erst nach dem ersten Mahnschreiben — Säumniszuschläge in Höhe von 1 % pro Monat (§ 240 AO) laufen automatisch
  2. Sammeln Sie sämtliche Belege (Lohnabrechnungen, Bescheide, Verträge)
  3. Antrag schriftlich, am besten per Einschreiben mit Rückschein, ggf. parallel über das ELSTER-Portal
  4. Reichen Sie ggf. parallel Einspruch nach § 347 AO innerhalb der Monatsfrist ein, um die Bestandskraft zu hemmen
  5. Beantragen Sie zugleich Aussetzung der Vollziehung nach § 361 AO oder § 69 FGO, sofern die Steuer­festsetzung selbst angegriffen wird
  6. Bei Ablehnung: Einspruch gegen die ablehnende Entscheidung; danach Klage beim Finanzgericht (FGO)

Bearbeitungsdauer und Erfolgsquote

Stundungsanträge werden in der Regel innerhalb von 2–6 Wochen beschieden. Erlassanträge benötigen häufig 3–9 Monate, da der Sachbearbeiter eine umfassende Wirtschaftsprüfung vornehmen muss. Die Erfolgsquote ist niedrig: Reine Erlassanträge nach § 227 AO werden nach Schätzungen in weniger als 20 % der Fälle bewilligt, Stundungsanträge wesentlich häufiger.

Sonderfall Lohnsteuer­ermäßigung

Mit dem Lohnsteuer­ermäßigungs­antrag (Vordruck «Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung», abrufbar über elster.de) lassen sich abzugsfähige Aufwendungen wie Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen, Sonderausgaben oder haushaltsnahe Dienstleistungen schon unterjährig als Freibetrag berücksichtigen. Vorteil: das Nettogehalt steigt sofort, statt erst auf die Steuererklärung warten zu müssen. Frist: ab 1. Oktober des Vorjahres bis 30. November des laufenden Jahres.

Sonderfall Grundsteuer und kommunale Steuern

Bei Grundsteuer und Gewerbesteuer ist die Gemeinde Adressat. Erlass aus Billigkeitsgründen ist auch hier möglich (§ 227 AO ist auf gemeindliche Realsteuern anwendbar). Sonderfall: Erlass der Grundsteuer wegen wesentlicher Ertragsminderung nach § 33 GrStG (z. B. lang andauernder Leerstand bei Mietwohnungen) — bis 25. März des Folgejahres zu beantragen.

AT und CH

Österreich: Stundung und Ratenzahlung nach § 212 BAO (Bundesabgabenordnung). Nachsicht (Erlass) nach § 236 BAO, wenn die Einbringung «nach der Lage des Falles unbillig» wäre. Zuständig: das Finanzamt Österreich (zentralisiert seit 2021).

Schweiz: Erlass und Stundung der direkten Bundessteuer geregelt in Art. 167 DBG; bei den Kantons- und Gemeindesteuern in den jeweiligen kantonalen Steuergesetzen (z. B. § 243 StG ZH). Zuständig: kantonales Steueramt.

Häufige Fehler

  • Antrag ohne Belege — wird umgehend abgelehnt
  • Monatliche Ausgaben zu niedrig angegeben — die Behörde wendet die amtlichen Pfändungsfreigrenzen an (§ 850c ZPO)
  • Vermögen verschwiegen — Glaubwürdigkeit dahin, ggf. strafrechtliche Folgen
  • Einspruchsfrist verpasst (1 Monat nach Bekanntgabe, § 355 AO)
  • Steuererklärungen nicht abgegeben — Erlassanträge werden ohne aktuelle Erklärung in der Regel nicht bearbeitet

Ihr Antrag mit Lettrio

Sie beschreiben Ihre Lage, Einnahmen und Ausgaben. Lettrio schreibt daraus den Antrag an das Finanzamt (AT: Finanzamt Österreich, CH: kantonales Steueramt) mit den passenden Vorschriften, etwa §§ 222, 227 AO, einem Vorschlag zur Zahlung und der Liste Ihrer Belege. Der Anfang ist kostenlos, der vollständige Antrag kostet 2,99 €.

FAQ

Was ist kostenlos, was kostet Geld?

Die Vorschau mit dem Anfang Ihres Briefs ist kostenlos, drei pro Monat. Der vollständige Brief mit PDF und E-Mail-Kopie kostet 2,99 € pro Brief, ohne Abo.

Sind die Briefe rechtsgültig?

Lettrio schreibt Ihren Brief nach den Regeln und Formvorschriften des gewählten Landes. Lesen Sie ihn vor dem Absenden durch. Eine Rechtsberatung ersetzt er nicht.