Kurz gefasst: in drei Schritten kündigen
- Kündigungsschreiben mit Mitgliedsnummer, gewünschtem Enddatum und Unterschrift aufsetzen
- Per Einschreiben mit Rückschein an das Studio senden — oder über den Kündigungsbutton, mit Screenshot der Bestätigung
- Schriftliche Bestätigung abwarten, erst danach die Lastschrift beenden
Ein Fitnessstudio in Deutschland zu kündigen ist seit der Gesetzesänderung 2022 deutlich einfacher geworden — viele Kunden wissen das nicht und zahlen deshalb ein Jahr länger als nötig. Der entscheidende Punkt ist das Datum des Vertragsabschlusses: davon hängt ab, ob Sie monatlich oder erst nach 24 Monaten herauskommen.
Altvertrag oder Neuvertrag? Das entscheidet alles
Das Gesetz für faire Verbraucherverträge gilt nur für Verträge, die ab dem 1. März 2022 geschlossen wurden. Bei diesen darf sich der Vertrag nach der Erstlaufzeit nur noch auf unbestimmte Zeit verlängern und ist dann mit einer Frist von höchstens einem Monat kündbar.
Wurde Ihr Vertrag vorher geschlossen, gilt die alte Rechtslage weiter: eine Verlängerung um bis zu zwölf Monate und eine Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten bleiben wirksam. Prüfen Sie zuerst das Datum auf Ihrem Vertrag — die meisten Streitigkeiten mit Studios entstehen genau an dieser Stelle.
Ihre Verbraucherrechte
- § 309 Nr. 9 BGB (seit 1. März 2022) — automatische Vertragsverlängerung darf höchstens monatlich erfolgen. Kündigungsfrist max. 1 Monat. Gilt für alle ab 1.3.2022 abgeschlossenen Verträge.
- § 312k BGB — Online abgeschlossene Verträge müssen einen «Kündigungsbutton« auf der Website bieten.
- Sonderkündigungsrecht — Krankheit (Attest), Umzug >30 km, Schwangerschaft, Bundeswehr, längere Auslandsentsendung.
Der Kündigungsbutton — und warum er oft nicht reicht
Seit dem 1. Juli 2022 muss jede Website, auf der Dauerschuldverhältnisse abgeschlossen werden können, einen leicht auffindbaren Kündigungsbutton bereitstellen. Fehlt er oder funktioniert er nicht, ist der Vertrag jederzeit fristlos kündbar — das ist die schärfste Waffe, die Sie gegen ein Studio haben, das sich quer stellt.
Der Haken ist die Beweislage. Der Button erzeugt eine Bestätigungsseite, aber keinen Rückschein. Machen Sie deshalb einen Screenshot der Bestätigung einschließlich Datum und Uhrzeit, und speichern Sie die Bestätigungsmail. Bei einer laufenden Mindestvertragslaufzeit oder einem Sonderkündigungsrecht schicken Sie zusätzlich ein Einschreiben: Die zwei Kanäle kosten Sie zehn Euro und ersparen Ihnen einen Streit über den Zugang der Kündigung.
Sonderkündigung: was Sie tatsächlich nachweisen müssen
- Krankheit — ein ärztliches Attest, aus dem hervorgeht, dass Ihnen das Training auf Dauer nicht mehr möglich ist. Eine kurzfristige Verletzung begründet in der Regel nur eine Ruhendstellung des Vertrags, keine Kündigung.
- Umzug — die Rechtsprechung ist hier uneinheitlich: Ein berufsbedingter Umzug wird häufiger anerkannt als ein freiwilliger, und Ketten mit bundesweiten Standorten wenden gern ein, Sie könnten dort weitertrainieren. Fügen Sie die Meldebestätigung bei.
- Schwangerschaft — Attest oder Mutterpass genügen üblicherweise.
Nennen Sie den Grund im Schreiben ausdrücklich und legen Sie den Nachweis bei. Eine Sonderkündigung ohne Beleg wird als ordentliche Kündigung behandelt — und läuft damit erst zum Ende der Laufzeit.
Vorgehensweise pro Kette
- McFit / RSG Group — Einschreiben ans Studio + Kündigungsbutton auf mcfit.com/kuendigung. Frist 1 Monat.
- FitX — Einschreiben ans Studio oder Kündigungsbutton im Mitgliederbereich. Frist 1 Monat.
- Clever Fit — Einschreiben ans Studio (jeder Standort separat). Frist je nach Vertrag, max. 1 Monat bei Neuverträgen.
- Fitness First — Einschreiben an die Mitgliederverwaltung. Bei Altverträgen 3 Monate Frist.
Wenn das Studio weiter abbucht
- Screenshots der Abbuchungen + Rückschein des Einschreibens
- Mahnung per Einschreiben mit Verweis auf § 309 Nr. 9 und § 312k BGB
- SEPA-Lastschrift bei der Bank zurückbuchen (8 Wochen autorisiert, 13 Monate nicht autorisiert)
- Beschwerde bei der Verbraucherzentrale + ggf. Klage am Amtsgericht
Wichtig zur Reihenfolge: Beenden Sie die Lastschrift erst nach der schriftlichen Bestätigung. Wer das Mandat vorher widerruft, gerät in Zahlungsverzug und bekommt Mahngebühren und einen Inkassoeintrag — auch dann, wenn die Kündigung selbst wirksam war.
Was in das Kündigungsschreiben gehört
- Vollständiger Name, Anschrift und Mitgliedsnummer.
- Das Studio, in dem der Vertrag läuft — bei Ketten mit Franchise-Standorten ist das nicht die Zentrale.
- Eine eindeutige Kündigungserklärung „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ — so verlieren Sie nichts, falls Sie sich im Datum irren.
- Bei Sonderkündigung: der Grund und der beigefügte Nachweis.
- Die Bitte um schriftliche Bestätigung mit Enddatum — das ist der Beleg, den Sie später brauchen.
- Ort, Datum und Unterschrift.
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